Feminismus

Der Begriff Feminismus wirkt angestaubt und besonders Feministinnen werden als überflüssige, stereotype Überbleibsel der 1970er Jahre gesehen. Ohne Frage haben Feminist*innen in den letzten Jahrhunderten unheimlich viel für die Gleichstellung der Geschlechter erreicht. Frauen dürfen zur Schule gehen, studieren, einen Beruf erlangen; Männer dürfen in Elternzeit gehen und sich eine Zeitlang um die Kinder kümmern. Ist das nicht schon alles? Warum ist Feminismus immer noch ein eigener Arbeitsschwerpunkt der Jusos Niedersachsen?

Die Antwort ist einfach: das allein reicht uns nicht!

Noch immer verdienen Frauen in vielen Bereichen bei gleicher Arbeit signifikant weniger als ihre männlichen Kollegen; sogenannte „Frauenberufe“ erhalten finanziell und gesellschaftlich weniger Anerkennung. Dies kann zur Abhängigkeit der Frau in den Sozialsystemen führen, wenn wir von Absicherung sprechen. Auch besetzen Männer die meisten Führungspositionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Eine umfassende Gleichstellung der Geschlechter ist folglich noch nicht erreicht.

Daher stehen wir Jusos als feministischer Richtungsverband für die Geschlechtergerechtigkeit ein und bearbeiten den Bereich „Feminismus“ als eigenen Punkt. Denn er ist ein Querschnittsthema und berührt jeden anderen Themenbereich unserer Arbeit.

Feminismus ist nicht nur Frauensache. Alle Geschlechter müssen für Gleichstellung kämpfen.

Feminist*innen kämpfen für die echte Gleichstellung der Geschlechter. Wir hinterfragen Geschlechterstereotype und gesellschaftlich konstruierte Rollenbilder. Mädchen tragen Rosa, Jungen tragen Blau? Nicht mit uns! Geschlechtsspezifische Erziehung beginnt in Elternhaus, Kindergarten und Schule und endet in konservativen Rollenvorstellungen und Diskriminierung. Wir setzen uns gegen Diskriminierung im Alltag ein. Diese reicht von medialen Darstellungen über „flapsige“ Alltagssprache bis hin zu sexualisierten Handlungen.

Auch arbeiten wir an der Aufsprengung des in der Gesellschaft vorherrschenden Bildes der Heteronormativität und der damit einhergehenden Zweigeschlechtlichkeit, denn wir unterscheiden zwischen dem biologischen Geschlecht „sex“, das anhand von Geschlechtsmerkmalen binär in Mann und Frau unterteilt und dem sozial konstruierten Geschlecht „gender“. Wir gehen davon aus, dass sich das „gender“ eines Menschen in viel mehr Richtungen entwickeln kann; genauso wie Beziehungen nicht nur heterosexueller Art sind.